Research

Jahrgang 2018: Was 4.369 Startups über die Basisrate im Venture Capital sagen

18. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was die Basisrate eines ganzen Gründungsjahrgangs für Mitarbeiter, Gründer und Fondsinvestoren bedeutet

Von Mato Krahl, Geschäftsführer MK Venture Capital GmbH

Carta hat 4.369 US-Startups verfolgt, die 2018 gegründet wurden und ihre Cap Table über Carta führen. Zum 1. Januar 2025 waren 2.707 davon geschlossen, also 61,9 %. Ich lese diese Zahl als Basisrate. Wer in Venture Capital investiert, direkt oder über Fonds, sollte sie kennen, bevor er über einzelne Erfolgsgeschichten spricht. Anlass für diesen Beitrag war ein LinkedIn-Post von Kevin Monserrat, der die Carta-Daten aufgegriffen und daraus eine These über die Menschen in diesen Unternehmen abgeleitet hat. Dazu weiter unten mehr.

Die Grafik

Jahrgang 2018, sieben Jahre später

HÖCHSTE FINANZIERUNGSSTUFEGegründet4.369 · 100 %Nie Priced Round1.905 · 43,6 %Seed2.464 · 56,4 %Series A1.588 · 36,4 %Series B643 · 14,7 %Series C194 · 4,4 %Series D und später50 · 1,1 %ERGEBNIS NACH SIEBEN JAHRENGeschlossen2.707 · 61,9 %Noch aktiv1.408 · 32,2 %davon private Unicorns57 · 1,3 %Übernommen239 · 5,5 %Börsengang15 · 0,34 %
Quelle: Carta, Peter Walker, Februar 2025. Nur US-Unternehmen mit Carta als Cap-Table-Anbieter.
Carta hatte 2018 keinen kostenlosen Tarif, der Anteil an Seed-Unternehmen ist daher vermutlich überzeichnet. Stand 01.01.2025.

Links steht, wie weit die Unternehmen in der Finanzierung gekommen sind. 1.905 haben nie eine Priced Round abgeschlossen, 2.464 eine Seed-Runde, 1.588 eine Series A und 643 eine Series B. Bei Series C (194 Unternehmen, 4,4 %) und Series D und später (50 Unternehmen, 1,1 %) wird der Trichter sehr schmal. Rechts steht das Ergebnis nach sieben Jahren. Orange markiert sind die Fälle, aus denen Investoren Rückflüsse sehen können: 239 Übernahmen, 15 Börsengänge und 57 Unternehmen, die heute als private Unicorns bewertet sind. Die Unicorns sind eine Teilmenge der 1.408 noch aktiven Unternehmen. Carta weist selbst darauf hin, dass Unternehmen ohne Priced Round bis Anfang 2025 als geschlossen gezählt wurden und der Wert für Schließungen daher eher etwas zu hoch liegt.

Was die Basisrate für die Menschen in den Unternehmen bedeutet

Hinter jedem dieser Unternehmen stehen frühe Mitarbeiter: der erste CFO, die erste COO, die ersten Commercial Hires. Viele von ihnen verzichten auf Gehalt und werden zu einem Teil in Optionen bezahlt. Diese Optionen beziehen sich auf Common Stock. Die Investoren halten Preferred Stock mit Liquidationspräferenz und werden bei einem Verkauf zuerst bedient. Bei einer Übernahme unterhalb des insgesamt eingesammelten Kapitals bleibt für Common Stock oft wenig oder nichts übrig. Eine belastbare Carta-Zahl dazu, in wie vielen Übernahmen Common Stock leer ausgeht, habe ich nicht gefunden, deshalb nenne ich hier keine. Carta zeigt aber, dass Liquidationspräferenzen über 1x im ersten Quartal 2024 in 8 % aller neuen Finanzierungsrunden vorkamen, so häufig wie in keinem Quartal dieses Jahrzehnts zuvor.

Dazu kommt das Ausübungsfenster. Nach dem Ausscheiden haben Mitarbeiter laut Carta in der Regel 90 Tage, um gevestete Optionen auszuüben. Wer dafür kein Geld hat, verliert die Optionen. Carta meldet, dass in Q4 2024 nur 32,2 % der gevesteten, im Geld liegenden Optionen ausgeübt wurden. Liquidität vor dem Exit ist selten: 2025 haben 16.538 Mitarbeiter in Tender Offers Anteile verkauft. Das sind weniger als 2 % der rund 900.000 bis 1 Mio. Mitarbeiter, die Carta erfasst.

Wer bekommt Geld?

16.538

Mitarbeiter haben 2025 in Tender Offers verkauft, unter 2 % der rund 900.000 bis 1 Mio. auf Carta erfassten Mitarbeiter

Quelle: Carta

32,2 %

der gevesteten, im Geld liegenden Optionen wurden in Q4 2024 ausgeübt

Quelle: Carta

Was die Basisrate für LPs bedeutet

Für mich als Dachfondsmanager ist der Jahrgang 2018 ein Lehrstück über Verteilung. Die Rendite eines solchen Jahrgangs hängt an wenigen Unternehmen. Die 15 Börsengänge und 57 Unicorns sind zusammen etwa 1,6 % der Kohorte, und aus ihnen kommt der größte Teil des Werts, den dieser Jahrgang je zurückgeben wird. Die 239 Übernahmen tragen deutlich weniger bei, weil viele davon klein sind. Ein einzelner Fonds mit 25 bis 30 Beteiligungen kann diese wenigen Unternehmen treffen oder verpassen. Deshalb streut ein Dachfonds über viele Zielfonds und über mehrere Jahrgänge.

Der Jahrgang 2018 ist dabei vermutlich ein Sonderfall. Die Unternehmen haben 2021 in einem überhitzten Markt Kapital aufgenommen und sind danach in den Funding-Winter geraten. Carta zeigt, dass mehr als die Hälfte der Schließungen von 2018er-Startups mit über 1 Mio. US-Dollar Funding auf das Jahr 2023 fiel. Auf andere Jahrgänge lässt sich die Zahl daher nur mit Vorsicht übertragen. Auch die Datenbasis hat Grenzen: Carta hatte 2018 keinen kostenlosen Tarif, die Stichprobe enthält also eher Unternehmen, die eine Seed-Runde fest eingeplant hatten.

Meine Schlussfolgerung für die Fondsauswahl

Monserrat beschreibt in seinem Post eine Lücke zwischen dem, was VC-Fonds versprechen, und dem, was Operator in den Portfoliounternehmen tatsächlich bekommen. Seine Position, gestützt auf nach eigener Angabe 12 Jahre im VC, ist, dass Fonds Payment-Instrumente brauchen, die Operator, Gründer und Fonds gleichrichten, und dass Portfoliounternehmen untereinander einen Netzwerkeffekt erzeugen sollten. Er spricht von „Portfolio Success Infrastructure for VC firms“. Man muss dazu wissen, dass Monserrat selbst eine Plattform für genau diese Lücke vertreibt. Ich lese seine These deshalb als Anbieterperspektive.

Einiges davon kann ich als LP bei der GP-Auswahl prüfen. Ich frage, wie viele Operator ein Team tatsächlich in Portfoliounternehmen vermittelt hat und ob diese nach zwei Jahren noch dort arbeiten. Ich schaue mir an, welche Ausübungsfenster die Portfoliounternehmen gewähren und ob der GP bei Folgerunden auf längere Fenster oder Secondary-Möglichkeiten für Mitarbeiter achtet. Ich prüfe, ob Liquidationspräferenzen in den Beteiligungen über 1x non-participating hinausgehen, weil das die Motivation der frühen Mitarbeiter direkt berührt. Referenzgespräche mit ehemaligen Mitarbeitern von Portfoliounternehmen sagen mir dazu oft mehr als Gespräche mit Gründern. Kaum prüfen lässt sich dagegen, ob ein Netzwerk zwischen Portfoliounternehmen über Veranstaltungen und Slack-Kanäle hinaus Wert schafft. Solange ein GP das nicht mit Zahlen belegen kann, behandle ich es als Teil der Fundraising-Präsentation.

Schluss

Die Basisrate des Jahrgangs 2018 ändert nichts an der Logik von Venture Capital, sie macht nur sichtbar, wie wenige Unternehmen den Ertrag tragen und wie viele Menschen auf dem Weg dorthin mit Optionen ohne Wert zurückbleiben. Mich interessiert, welche Erfahrungen Sie als Operator oder LP mit Ausübungsfenstern und Liquidität vor dem Exit gemacht haben.

Quellen

Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.

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