Warum das goldene Jahrzehnt für europäische VC’s begonnen hat

Vor einigen Jahren habe ich mein erstes Silicon Valley Direktinvestment getätigt. In diesem Zuge habe ich auch einige Investoren angesprochen, um mit mir gemeinsam zu investieren. Eine der Erinnerungen aus den Gesprächen ist, dass oft die Rede von „stupid german money“ war. Er gehört zum Geschäft eines Direktinvestors, dass man erst im Nachhinein merkt, ob die pre-money Bewertung zu hoch war oder nicht.

Lassen sich Bewertungen von knapp 10 Mio. EUR für Startups mit Umsatz = 0 rechtfertigen? Ist ein Startup mit Umsatz knapp 2 Mio. EUR mehr als 20 Mio. EUR wert? Es kommt darauf an… und es kommt zunehmend noch mehr darauf an, wo das Startup seinen Sitz hat.

Das europäische Startups nicht nur heiße Luft produzieren, zeigen eindrucksvoll die Zahlen des Europäischen Investmentfonds EIF. Der EIF ist der größtenteils staatlich organisierte VC-Arm der EU, der sich als Co-Investor an europäischen Single VC-Fonds beteiligt. Durch seine rege Investitionstätigkeit hat der EIF einen ausgezeichneten Einblick in die tatsächliche Performance europäischer VC Fonds. Seit mehr als 20 Jahren hat der EIF in 730 Single VC Fonds und mehr als 400 verschiedene Fondsmanager investiert.

Seit 2011 findet eine Transformation im europäischen VC Markt statt.

Der EIF ist in 173 VC Fonds investiert [1]. Die Top 10 der Fonds haben einer Rendite zwischen 42% und 373% erzielt [2]. Die Top 50 der Fonds erreichten eine Performance von mindestens 14,50%. Der auf Platz 123 liegende Fonds hat noch eine positive Performance. Nur 50 VC Fonds, also eine knappes Drittel, weisen eine negative Entwicklung aus.

[1] Stand 30.09.2018

[2] Gemessen als IRR

Statistisch gesehen sind 100% der Raupen keine Schmetterlinge. Nach der Verpuppung haben wir auf einmal 100% Schmetterlinge.

Dieser Trend wurde 2018 bestätigt. 6 der 8 größten IPO’s 2018 mit VC Beteiligung waren europäische Startups.

Auch im M&A Bereich schafften etliche europäische VC gestützte Startups einen Exit im Bereich von mehr als 100 Mio. EUR.

Mit europäischen Startups Geld zu verlieren ist schwieriger als Geld zu verdienen.

Dies ist die Kernaussage des EIF Berichts. Ein Grund dafür ist die tief verwurzelte Ingenieurskunst in Europa. Die Fragmentierung des europäischen Binnenmarktes fordert die Gründer, die Skalierbarkeit der Geschäftsmodelle umfassender zu durchdenken und vorzubereiten. Gleichzeitig schaffen es immer mehr europäische Startups, Zugang zum amerikanischen und asiatischen Markt zu erhalten und damit die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Die VC Teams mit einem internationalen Netzwerk sind gut gerüstet, um die sich bietenden Chancen in Europa zu nutzen.

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