Perspektiven: 5G, Künstliche Intelligenz und Libra

Phase 1 Deal

Mit den neuen US Sanktionen gegen KI Startups wie SenseTime aus unserem Portfolio wird eine neue Stufe des Konfliktes erreicht. Trotz der unterzeichneten Abkommens der Deal Phase 1 könnten die Sanktionen die tektonische Verschiebung Richtung China beschleunigen.

Denn von den Sanktionen betroffen sind nicht nur chinesische Startups und Unternehmen, sondern auch amerikanische Hightech Firmen wie Nvidia, deren Grafikchips bei Objekterkennungslösungen eine sehr wichtige Rolle spielen. Der Abhängigkeit der industriellen Welt von amerikanischen Mikrochips werden wir uns in einer separaten Betrachtung widmen.

Im Folgenden wollen wir uns auf einige Fragen rund um den Europa – China – USA Konflikt konzentrieren:

#1 Ist China tatsächlich führend bei 5G?

#2 Was ist mit 5G in Südkorea?

#3 Gibt es eine Alternative zu Huawei?

#4 Liegt China im Bereich KI tatsächlich vor den USA?

#5 Warum Libra in Europa keine Chance hat?

#1 Ist China tatsächlich führend bei 5G?

Wenn man den Schlagzeilen in den Medien glaubt, sind die USA in Sachen 5G ein Entwicklungsland. Mitnichten. Sprint[1] und Verizon[2] bieten bereits 5G in ausgewählten Städten an. In China ist China Unicom in zwölf Städten erst am testen. China Mobile testet in 5 Städten (Hangzhou, Shanghai, Guangzhou, Suzhou und Wuhan) und plant den Ausbau von 10.000 5G Stationen für 2020.

Fazit: Aktuell führen die USA im 5G Kundenangebot vor China.

[1] Atlanta, Chicago, Dallas-Fort Worth, Houston, Kansas City, Phoenix, Los Angeles, New York City, and Washington, D.C.

[2] Houston TX, Sacramento CA, Indianapolis IN, and Los Angeles CA

#2 Was ist mit 5G in Südkorea?

Seit 2018 ist 5G in Südkorea für ausgewählte Kunden verfügbar, seit April 2019 im flächendeckenden Vertrieb. Der Netzabdeckung soll 2020 bei 30% liegen.

Fazit: Südkorea als heimlicher Führer im 5G Netzausbau verliert an Vorsprung.

#3 Gibt es keine Alternative zu Huawei?

Huawei einen flächendenkenden 5G-Netzuausbau in Europa umzusetzen, ist umstritten. Der Experten vom Branchenverband GSMA rechnen die mit zusätzlichen Kosten von 55 Milliarden Euro für den 5G-Aufbau in Europa, wenn Huawei ausgeschlossen wird.

Beim IT-Branchenverband Bitkom ist man irritiert, dass sich die Sicherheitsdebatte ausschließlich auf Huawei konzentriere. “Huawei bemüht sich in Sicherheitsfragen sehr um Transparenz”, sagte Bitkom-Präsident Bernhard Rohleder. Andere Unternehmen wehrten sich kategorisch dagegen, ihre Software offenzulegen. Diese Feststellung verdeutlicht die Emotionalität der Diskussion.

Wenn Sie, lieber Leser, einfach „God mode unlocked, x86 HW backdoors“ googlen, erhalten Sie interessante Einblicke, wie der Chiphersteller Intel ein Backdoor in allen VIA C3 x86 Prozessoren gelassen hat. Zwar ist diese Prozessorgeneration längst überholt und hatte nur spezielle Einsatzgebiete. Ob Hersteller  backdoors in allen Chipgeneration eingebaut haben, werden wir vielleicht nie erfahren.

Zuletzt hatte Vodafone-Sicherheitschef Oliver Harzheim Mitte Dezember noch einmal vor dem Bundestagsausschuss Digitale Agenda versucht, die Konsequenzen eines Huawei-Banns zu beschreiben. Vodafone habe hochgerechnet, „dass das für uns vielleicht einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren bedeutet, den wir als Vodafone benötigen würden, um das vorhandene Equipment umzubauen und 5G-ready zu machen“. Sollten jedoch alle Netzbetreiber zugleich auf limitierte Kapazitäten zugreifen, könnte es sogar noch länger dauern.

Zwar hatten führende Ericsson-Manager zuletzt angedeutet, der Ausrüster sei in der Lage, Europa mit genügend 5G-Funkeinheiten zu versorgen – auch nach einem Ausschluss des Marktführers Huawei. Dem haben jedoch führende Telefonanbieter wie Telefónica widersprochen.

Die Deutsche Telekom ist beispielsweise schon beim 4G-Ausbau unzufrieden mit der zweiten Alternative Nokia.

In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass die Huawei Diskussion in den USA ausgelöst wurde. Cisco & Co tun sich schwer, technologisch mitzuhalten.

Fazit: Für Deutschland und Europa gibt es eine theoretische Alternative zu Huawei. Praktisch gibt es für Europa aber keine. Ob das Dilemma dadurch gelöst werden kann, indem Huawei vom „Kernnetz“ ausgeschlossen und nur für die „Peripherie“ zugelassen wird, bleibt abzuwarten.

#4 Liegt China im Bereich KI tatsächlich vor den USA?

Daten sind das Öl der künstlichen Intelligenz. Mit dem Fortschreiten des staatlichen Trackings in China sind die Voraussetzungen für KI deutlich besser als in den USA. Noch kommen die besten Computerspezialisten von den amerikanischen Universitäten. Allerdings kommen die meisten KI-Unicorns (14, darunter das weltweit wertvollste KI-Startup SenseTime) inzwischen aus China und nicht aus den USA. Die Hälfte der chinesischen Bevölkerung nutzt Smartphones. Handys sind viel geeigneter für das Sammeln von Daten als Computer, da im Smartphone viel mehr Sensoren verbaut sind. Während chinesische Technologieführer von der Schirmherrschaft ihres Landes profitieren, werden die Tech Konzerne in den USA zunehmend sehr kritisch gesehen. Teilweise wird gar von Zerschlagung von Facebook, Google oder Amazon gesprochen. Diese Entwicklung könnte mittelfristig die teuren KI-Forschungsprogramme dieser Unternehmen gefährden. Das US-Verteidigungsministerium bleibt eine große Finanzierungsquelle für Innovationen. Aber die 2 Milliarden Dollar sehen klein aus im Vergleich zu den 50 Milliarden Dollar, die chinesische KI-Unternehmen erhalten.

Fazit: China hat auf die USA aufgeholt. Ob es China jedoch gelingt, den eigenen Plan zu erreichen und 2030 Marktführer im Bereich künstlicher Intelligenz zu sein, bleibt abzuwarten.

#5 Warum Libra in Europa kein Chance hat?

Frankreich und Deutschland haben sich klar gegen die geplante Facebook Währung Libra positioniert. Man sieht die monetäre Souveränität in Gefahr. Der CDU Parlamentarier Thomas Heilmann sagte dem Spiegel, dass die Regierung „Marktrelevante Stablecoins“ nicht akzeptieren werde. Vielmehr solle die EZB an einem eigenen Stablecoin („federal chain“) arbeiten, mit dem sich Transaktionen schneller und günstiger abwickeln lassen.

Die Furcht vor Bitcoin scheint deutlich geringer zu sein als vor einer Währung, die in den Händen eines Konzerns liegt. Damit dürfte sich auch die unterschiedliche Einschätzung zwischen Europa und USA erklären lassen. Die FED ist eine privatrechtliche Vereinigung der wichtigsten Geschäftsbanken. Die FED gehört nicht den Bürgern. Anders ist es bei der EZB, die das Gemeinschaftsgut der verbundenen Länder und damit aller Bürger ist.

Libra hat in den USA eine Chance, sobald die wichtigsten US Geschäftsbanken involviert sind.

Fazit: Damit ist zu erwarten, dass analog  dem System von WeChat in China ein vergleichbares digitales Libra-System in den USA kommen wird, sei es nun von Facebook, Amazon, Google oder Goldman Sachs.
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